Mit einem unguten Gefühl kehrte ich in mein Café zurück.

Kaum war ich angekommen, kam Óscar, mein Geschäftsführer, auf mich zu.

„Chefin, gestern hat hier eine Frau angerufen, die behauptete, Ihre Schwiegermutter zu sein. Sie wollte wissen, wer Zugriff auf unsere Geschäftskonten hat und wie sie an die Umsatzberichte kommen könnte.“

Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken.

„Hast du ihr irgendetwas verraten?“

„Nein. Ich habe ihr erklärt, dass diese Unterlagen vertraulich sind.“

Eine Stunde später erhielt ich eine E-Mail von einem unbekannten Absender.

In der Betreffzeile stand:

Vereinbarung über die Verwaltung und Verteilung familiärer Finanzmittel.

Ich öffnete die Datei.

In dem Dokument wurde vorgeschlagen, Rodrigo Zugang zu den Geschäftskonten zu gewähren, ihm ein Mitspracherecht bei finanziellen Entscheidungen einzuräumen und bestimmte Geldbewegungen von seiner Zustimmung abhängig zu machen.

Außerdem enthielt es eine Klausel, nach der die Gewinne meines Cafés über ein gemeinsam verwaltetes Konto verteilt werden sollten.

Es ging hier nicht darum, wie wir unsere Haushaltskosten aufteilen würden.

Es war der Versuch, die Kontrolle über mein Geschäft zu erlangen.

Ich leitete das Dokument sofort an Fernanda weiter.

„Unterschreib auf keinen Fall“, warnte sie mich. „Diese Vereinbarung könnte dich in massive Schwierigkeiten bringen.“

An diesem Abend wartete ich im Wohnzimmer auf Rodrigo.

„Ich habe die Vereinbarung bekommen, die du und deine Mutter vorbereitet habt.“

Er wurde kreidebleich.

„Die solltest du doch noch gar nicht bekommen.“

„Du wusstest also ganz genau, was ihr da hinter meinem Rücken geplant habt?“

„Wir wollten doch nur unsere Finanzen vernünftig regeln.“

„Warum musst du dafür meine Geschäftskonten kontrollieren?“

Nervös stand er auf.

„Weil wir wichtige finanzielle Verpflichtungen haben.“

„Welche Verpflichtungen?“

Er ging zum Fenster und schwieg.

Schließlich murmelte er:

„Meine Mutter hat gesagt, ich muss deine Unterschrift bis Ende der Woche bekommen.“

„Und warum diese Eile?“

Rodrigo drehte sich zu mir um. Zum ersten Mal, seit ich ihn kannte, sah er wirklich verängstigt aus.

„Weil sie herausfinden werden, was ich vor unserer Hochzeit getan habe, wenn wir das Geld nicht bis Freitag auftreiben.“

TEIL 3

Mehrere Sekunden lang brachte ich kein einziges Wort heraus.

Rodrigo stand noch immer am Fenster, die Schultern angespannt, den Blick ins Leere gerichtet. Ich saß auf jenem Sofa, auf dem wir unzählige Male über unsere gemeinsame Zukunft gesprochen hatten. Über die Kinder, die wir vielleicht eines Tages haben würden, und über das Haus, das wir uns irgendwann kaufen wollten.

Plötzlich kam mir dieser vertraute Raum vollkommen fremd vor.

„Rodrigo“, sagte ich schließlich, „ich möchte jetzt wissen, was du getan hast.“

Er fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht.

„Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht.“

Wut und Erschöpfung stiegen gleichzeitig in mir auf.

„Deine Mutter kommt in mein Café und verlangt den Großteil meines Gewinns. Du bereitest hinter meinem Rücken eine Vereinbarung vor, mit der du meine Konten kontrollieren kannst. Und jetzt erzählst du mir, dass jemand etwas herausfinden könnte, das du getan hast. Sag mir bloß nicht noch einmal, dass das alles nicht so schlimm ist.“

Er setzte sich mir gegenüber.

Einige Sekunden lang suchte er nach Worten.

„Vor acht Monaten hat mir ein Bekannter aus der Arbeit angeboten, in ein Immobilienprojekt in der Nähe von Tlajomulco zu investieren. Wir wollten ein paar Grundstücke kaufen und später mit ordentlich Gewinn weiterverkaufen.“

Ich erinnerte mich, dass Rodrigo einige Monate vor unserer Hochzeitsfeier von einer angeblich vielversprechenden Geschäftsmöglichkeit erzählt hatte.

Aber dass er tatsächlich investiert hatte, hatte er mir nie gesagt.

„Wie viel Geld hast du hineingesteckt?“

Er senkte den Kopf.

„Zweihundertachtzigtausend Pesos.“

Ich riss die Augen auf.

„Woher hattest du so viel Geld?“

„Ich hatte etwas gespart. Den Rest habe ich mir geliehen.“

„Von wem?“

„Einen Teil als Privatkredit bei der Bank. Den anderen Teil von einem Bekannten meiner Mutter.“

Mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen.

„Und was ist aus dem Projekt geworden?“

Rodrigo holte tief Luft.

„Die Geschäftspartner sind verschwunden. Es stellte sich heraus, dass es rechtliche Probleme mit den Grundstücken gab. Wir haben keinen Cent zurückbekommen.“

Langsam ergab alles einen Sinn.

Die Monate, in denen er ständig gereizt gewesen war. Die Telefonate, für die er jedes Mal den Raum verlassen hatte. Seine Ausreden, warum wir an manchen Wochenenden nichts unternehmen konnten.

Und vor allem sein auffälliges Interesse an den Gewinnen meines Cafés.

„Wie viel schuldest du inzwischen?“

Er brauchte viel zu lange für seine Antwort.

„Ungefähr vierhundertzwanzigtausend Pesos. Mit Zinsen und anderen Verbindlichkeiten.“

Ich saß wie erstarrt da.

Ich wusste nur zu gut, was es bedeutete, eine solche Summe zusammenzubekommen. Jahrelang hatte ich gearbeitet, um einen vergleichbaren Betrag anzusparen.

Und Rodrigo erwartete ernsthaft, dass ich dieses Geld hergab, um ein Problem zu lösen, von dem er mir nicht einmal erzählt hatte.

„Deine Mutter wusste davon?“

Er nickte.

„Von Anfang an.“

„Und deshalb ist sie in mein Café gekommen und hat siebzig Prozent meines Gewinns gefordert?“

„Sie glaubt, dass wir das gemeinsam schaffen können, wenn wir alle an einem Strang ziehen.“

Ich stieß ein bitteres Lachen aus.

„Gemeinsam? Rodrigo, du hast jede einzelne Entscheidung allein getroffen. Du hast dir Geld geliehen, ohne mir etwas zu sagen, die Verluste vor mir verheimlicht und anschließend zusammen mit deiner Mutter geplant, wie ihr an meine Einnahmen kommt.“

„Ich hatte Angst, dich zu verlieren.“

Diese Worte verletzten mich mehr als alles andere.

„Wenn du solche Angst hattest, mich zu verlieren, warum hast du mir dann nicht vertraut?“

Er schwieg.

Da stellte ich ihm die Frage, die mich schon seit Tagen nicht mehr losließ.

„Warum hast du unsere standesamtliche Hochzeit immer wieder verschoben?“

Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.

„Weil meine Mutter mir geraten hat, zuerst zu klären, wie wir mit unserem Geld umgehen wollen.“

„Erklär mir das genauer.“

„Sie meinte, wenn wir ohne vorherige Vereinbarung standesamtlich heiraten würden, könntest du dich später weigern, mir zu helfen. Deshalb hielt sie es für besser, dich erst davon zu überzeugen, unsere Finanzen zusammenzulegen.“