Und an die kaum hörbare Frage, die sie gestellt hatte, während sie verblutete.

Sein Gesicht verhärtete sich.

»Bring meine Mutter von hier weg, sobald die Ärzte es erlauben. Und halte Mercedes über jede Veränderung auf dem Laufenden. Ich komme zurück.«

Als Rosario ihm im Flur begegnete, packte sie ihn am Ärmel.

»Versprich mir nicht, dass du mit sauberen Händen zurückkommst, wenn du wieder dasselbe tun willst wie immer.«

Er konnte ihrem Blick nicht standhalten.

Noch in derselben Nacht fand er Damián zusammen mit Barragán in dem Lagerhaus.

Daríos Männer hatten bereits sämtliche Ausgänge abgeriegelt.

Die Konfrontation endete in einer Schießerei.

Barragán wurde getötet.

Damián stand schließlich entwaffnet mit dem Rücken zur Wand.

»Er hat mich gezwungen!«, flehte er. »Er hat meiner Familie gedroht!«

Darío hielt ihm die sichergestellten Nachrichten vor die Augen.

»Du hast dreißig Prozent der Transportrouten verlangt. Das war keine Angst.«

Damián wich seinem Blick aus.

»Wenn deine Mutter gestorben wäre, hättest du den Verstand verloren. Das Geschäft brauchte einen anderen Boss.«

In diesem Moment begriff Darío die ganze Wahrheit.

Es war nie darum gegangen, ihm ein Lagerhaus wegzunehmen.

Der Mann, den er wie einen Bruder behandelt hatte, hatte seine Mutter verkauft, um selbst an seine Stelle zu treten.

TEIL 3

Darío erschoss Damián.

Danach blieb er lange vor dem leblosen Körper stehen.

Doch die Erleichterung, die er sich während der endlosen Stunden im Krankenhaus ausgemalt hatte, blieb aus.

Er hatte den Verräter beseitigt. Auch der Verantwortliche für den Anschlag war tot.

Aber Elena lag noch immer an einem Beatmungsgerät.

Lucas war tot.

Und Mercedes saß weiterhin auf einem unbequemen Stuhl im Krankenhaus und wartete auf Nachrichten über ihre Tochter.

Nichts davon hatte sich geändert.

Als Darío zurückkehrte, wusste Rosario bereits, was geschehen war, noch bevor er ein Wort sagte.

»Ist es vorbei?«, fragte sie.

»Sie werden uns nie wieder zu nahe kommen.«

»Ich habe dich gefragt, ob es vorbei ist, Darío. Nicht, ob du jemanden getötet hast.«

Darío blieb im Türrahmen stehen.

Zum ersten Mal verstand er, dass seine Mutter keinen Sieg von ihm verlangte.

Sie wollte einen Ausweg aus diesem Leben.

Die Behörden nahmen die Ermittlungen zu beiden Angriffen auf.

Das Krankenhaus übergab die Überwachungsaufnahmen, und die Angestellten machten ihre Aussagen.

Darío engagierte einen Anwalt. Doch selbst er konnte weder die Verhöre verhindern noch die Ereignisse im Lagerhaus ungeschehen machen.

Der Krieg endete nicht einfach in jener Nacht.

In den folgenden Wochen kam es zu Durchsuchungen, Festnahmen und der Schließung zahlreicher Geschäfte.

Am achten Tag begann Elena aufzuwachen, nachdem die Ärzte die Sedierung schrittweise reduziert hatten.

Als sie wieder ausreichend selbstständig atmen konnte, wurde der Beatmungsschlauch entfernt.

Sie war schwach, verwirrt und hatte starke Halsschmerzen.

Mercedes saß an ihrem Bett.

Darío wartete draußen auf dem Flur.

Zum ersten Mal in seinem Leben respektierte er eine geschlossene Tür.

»Rosario?«, fragte Elena heiser.

Ihre Mutter schloss für einen Moment die Augen.

»Sie lebt, mein Schatz. Und sie möchte dich sehen, sobald du dazu bereit bist.«

Später kam die alte Dame in ihrem Rollstuhl ins Zimmer.

Vorsichtig strich sie über eine Stelle an Elenas Hand, die nicht von Verbänden bedeckt war.

»Ich bin hier.«

Elena begann zu weinen.

Sie hatte nicht genug Kraft, um irgendetwas zu erklären.

Rosario weinte ebenfalls.

Mercedes blieb bei ihnen und hielt das Wasserglas, das ihre Tochter noch nicht selbst heben konnte.

Darío betrat das Zimmer als Letzter.

»Danke«, sagte er leise.

Elena betrachtete sein erschöpftes Gesicht.

»Ich wollte nicht, dass sie getötet wird.«

»Ich weiß.«

»Aber ich wollte auch nicht sterben.«

Langsam setzte er sich.

Diese Worte trafen ihn tiefer als jeder Vorwurf.

»Ich werde dich nicht bitten, aus dem, was passiert ist, etwas Schönes zu machen.«

Elena schloss die Augen.

Sie war viel zu erschöpft, um zu entscheiden, was sie für ihn empfand.

Ihre Genesung verlief alles andere als schnell.

Sie musste mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen. Danach folgten monatelange Rehabilitationsmaßnahmen.

Ihre Schulter blieb in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. In manchen Nächten schreckte sie hoch, sobald irgendwo eine Tür zuschlug.

Eine Zeit lang konnte sie es nicht einmal ertragen, ein Parkhaus zu betreten.

Als sie schließlich entlassen wurde, entschied sie sich, bei Mercedes zu wohnen.

Darío übernahm die Kosten für ihre Behandlung, ohne irgendwelche Bedingungen daran zu knüpfen.

Er besuchte sie ausschließlich dann, wenn Elena es erlaubte.

Rosario kam jeden Sonntag vorbei, mit Essen, das ihre Köchin zubereitet hatte, und einer Mappe mit ihren eigenen Übungen.

»Jetzt müssen wir beide unsere Hausaufgaben machen.«

Eines Nachmittags lachte Elena zum ersten Mal wieder richtig, als weder sie noch Rosario ein fest verschlossenes Glas aufbekamen.

Mercedes öffnete es mühelos und schimpfte mit ihnen, weil sie lieber gelacht hatten, statt es ordentlich zu versuchen.

Manchmal durfte Darío bei den Übungen helfen, wenn Elenas Physiotherapeutin es erlaubte.

Er lernte zu warten.

Er lernte zu fragen, bevor er Elena berührte.

Und er lernte zu akzeptieren, wenn eine Therapieeinheit beendet wurde, nur weil sie müde war.

Eines Nachmittags verlangte Elena die Wahrheit über das Lagerhaus.

Darío versuchte nicht, sie vor ihr zu verbergen.

Sie zog ihre Hand von seiner zurück.

»Nur weil ich deine Mutter gerettet habe, bin ich nicht für das verantwortlich, was du danach getan hast.«

»Ich mache dich nicht dafür verantwortlich.«

»Dann sag mir auch nicht, dass du es aus Liebe zu mir getan hast.«

Darío nickte.

Als sie ihn bat zu gehen, ging er.

In den folgenden Monaten begann Darío, den Behörden Unterlagen über seine eigenen Geschäfte und über Barragáns Organisation zu übergeben.

Tomás entschied sich ebenfalls auszusagen.

Beide erhielten Morddrohungen.

Rosario musste vorübergehend an einen anderen Ort ziehen, und Mercedes stimmte Schutzmaßnahmen für Elena zu.